Dagmar Piesker
Diese Künstlerin ist Gestaltung pur. Wir lernten sie und ihre Arbeit 2018 kennen, als wir sie auf
ihrer Kunst-Ranch in Schlangenbad-Hausen besuchten. Aus diesem weitläufigen Gelände mit
einem baufälligen Haus darauf hat sie in mehrjähriger eigenhändiger Arbeit ein Künstlerhaus mit
Skulpturen-Garten geschaffen, in dem sie lebt und arbeitet. Alles dort atmet das Streben, die
Welt zu begreifen mit Material und Form, sie zu verstehen und zu hinterfragen über plastisches
Gestalten, sei es mit Terracotta, Keramik, Porzellan, Holz, Glas oder Bronze. In ihrem Atelier,
einem lichten, lebensfrohen Raum, entwirft sie Köpfe, Torsi, Großplastiken und ganze Figuren-
Ensembles sowie auch kleinere, abstrakte Formen. Sofort waren wir fasziniert von der Bronze
„Der Kuss“ von 2006: Zwei abstrakte Figuren, als Büsten erkennbar, mit angedeuteten, ebenen
Gesichtsflächen, sind auf einem Sockel so einander zugewandt, dass sie, je nach Perspektive
des Betrachters, sich entweder gerade im Kuss aufeinander zu zu bewegen oder sich zu küssen
oder sich wieder voneinander zu entfernen scheinen. Dagmar Piesker, die sich praktisch
gestaltend mit dem Weltgeschehen auseinandersetzt, hat während der Corona-Zeit begonnen,
aus Ton und in verschiedenen Größen Möbius-Schleifen zu formen, die sie Corona-Schleifen
nennt, als Ausdruck für die gefühlte Unendlichkeit dieser Zeit, aber auch für ihre Verbindung mit
der Welt durch und über ihre Kunst. Einen Besuch auf der Kunst-Ranch lohnt sich unbedingt.
